Disziplinarstrafe oder Bauernopfer?
Der Fall Udo van Deursen geht zurzeit durch die lokalen Medien. Unser ehemaliger Kaplan, der seit Dezember 2005 in Herzogenrath-Kohlscheid seinen Dienst als Pfarrer versah, wurde vor einigen Tagen vom Bischoff in Aachen suspendiert, weil der dabei beobachtet wurde, wie er anrüchige Webseiten und Foren besucht haben soll.
Ich frage mich nun wirklich, ob diese Maßnahme im Zuge der akutellen Krise der Kirche eher ein Bauernopfer oder eine Disziplinar-Maßnahme ist. Hat ein Pfarrer ein Privatleben, das niemanden etwas angeht?
Klar, die Fälle von Kindesmissbrauch und -misshandlung sind schlimm und müssen aufgedeckt und abgestellt werden. Aber die Aachener Staatsanwaltschaft hat bestätigt, dass Herr van Deursen sich jurustisch nichts zu Schulden hat kommen lassen. Hier geht es um den Besuch von Webseiten mit “für Erwachsene bestimmten Inhalten” in seiner privaten Freizeit. Kann und muss die Einhaltung der Regeln eines geistlichen Lebens so weit reichen?
Wie seht Ihr das?






Hallo,
ganz ehrlich? Ich finde, was ein Priester in seiner Freizeit macht, geht niemanden etwas an, so lange es nach geltendem Recht legal ist. Viele leben ganz offen nicht gerade zölibatär und haben z.T. sogar Kinder (über die Sinnhaftigkeit des Zölibats sollte an anderer Stelle diskutiert werden). Ist das besser als eine Erotik-Website? Ist ein Priester denn automatisch “entmannt”? Wird er auch suspendiert, wenn man unter seinem Bett den Playboy findet?
Natürlich bin ich gegen jede Art von Kindesmissbrauch, sei es durch eine sexuelle Beziehung zu einem Kind oder durch den Konsum von Kinder-Pornografie. Dies scheint hier jedoch nicht vorgelegen zu haben. Ich hätte weiterhin Vertrauen zu ihm als Priester. Es tut mir sehr leid für ihn, ich empfinde die Kampagne als Bloßstellung und öffentliche Erniedrigung. Ich denke, er ist unschuldiges Opfer eines Generalverdachts geworden.
UND: wer hat bitte den Vorwurf erhoben??? Wurde hier so lange gesucht, bis man ein Haar in der Suppe gefunden hat? Wer kam so nahe heran, um hier Beweise zu sammeln? Herr van Deursen wird das wohl kaum im örtlichen Internetcafe getan haben!
Ich hoffe für ihn, das er weiterhin Geistlicher sein darf, wenn er das möchte, und er die Gelegenheit bekommt, sich für eine neue Gemeinde zu engagieren und dort von vorne anzufangen.
VIele Grüße aus Herzogenrath!
“RIS”reklamiert zu Recht, dass es Persönlichkeitsrechte im Privatbereich geben muss, exemplifiziert dies aber ausgerechnet an einem Thema, das er unter dem Mantel angeblicher Entfaltung von Persönlichkeitsrechten zu führen glaubt und gleichzeitig in Verbindung mit Pornoseiten beschämend verharmlost.
Auch im Internet hat die persönlich-private Freiheit ihre Grenzen. Unerlaubtheit findet man nicht nur im StGB, sondern auch in moralischen Maßstäben wieder. Dann, wenn Rassismus und Gewaltverherrlichung praktiziert, Volksverhetzung betrieben oder eben Pornografie verbreitet wird, hat auch im Internet zu gelten, was wir als Gesellschaft weder dulden noch tolerieren dürfen.
Wer das Anschauen von Pornofilmen bzw. Pornobildern im Internet zum Privatraum erklärt, der schlägt sich unfreiwillig oder gar bewusst auf die Seite derer, denen offensichtlich geschäftliche Interessen wichtiger sind als die Einhaltung von Menschenwürde. In Pornoseiten wird die Entmenschlichung von Kindern, von Minderjährigen bis zur erwachsenen Frau bzw. zum Mann zum Sexualobjekt gewerbsmäßig betrieben. Das ist ein Riesengeschäft und fängt nicht erst bei Kindern an !
Eine positive und optimistische Sicht auf Geschlechtlichkeit des Menschen ist bei diesem zynischen Ansatz ausgeschlossen. Scham und Ekel werden ausgeblendet. Die Grenzen lösen sich auf. Dass sich dies ausgerechnet ein Priester zu Eigen gemacht hat, ist mehr als verwerflich. Welches Bild der Frau, besser: des Mädchens hat dieser Priester, wenn er solche Pornoseiten per Mausklick geöffnet und sich mit stummem Blick an den beweglichen Porno-Bilder offensichtlich ergötzt hat?
Es erfüllt mich mit Entsetzen, dass ein Priester, der sein Leben auch und vor allem der Verwirklichung von Menschenwürde und Menschenrechten verschrieben hat, solche schändlichen Auswüchse menschlichen Fehlverhaltens begünstigt, ja unterstützt hat. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob dies in örtlichen Internetcafes oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit gar in Diensträumen stattgefunden haben soll.
Ich hoffe, dass sich ein solcher Priester erst einmal vor entsprechenden Stellen zu verantworten, d.h. tunlichst Stellung zu beziehen hat, dass dann entsprechende Untersuchungen das Ausmaß seines Falles abschließend beurteilen können. Dann erst sollte entschieden werden, ob er für diese oder eine anderer kirchliche Gemeinde zugemutet werden kann, in der auch Kinder und Frauen leben.
Hallo Ris,
du sprichtst mir aus der Seele. Auch ich würde einen Priester, der sich Webseiten mit sexuellem Inhalt oder einen Playboy anschaut, nicht verurteilen. Lieber sowas anschauen, als den sexuellen Trieb an Kindern ausprobieren. Denn auch Priester sind nur Männer, und die sexuellen Bedürfnisse gänzlich ein Leben lang zu unterdrücken, finde ich genauso menschenunwürdig wie das Ausziehen und Präsentieren in der Öffentlichkeit. Ich möchte hier aber genauso wenig wie Ris die Diskussion über Sinn oder Unsinn des Zöllibats losbrechen.
Aber genauso wenig möchte ich eine Diskussion über Ethik und Moral von Pornoseiten und dem gesamten Gewerbe führen. Liebe gegen Geld und Pin-up Girls gibt es schon sehr lange. Nicht umsonst heißt es “Das älteste Gewerbe der Welt”. Darüber zu diskutieren, führt hier wohl zu weit.
Grüße
Der selfkantblogger
Ich kenne Pfarrer H.Udo van Deusen schon sehr lange , das ist für mich keine Entgleisung .Aber was ist mit den Priestern die kinder haben und die Steuerzahler müssen dafür Kirchen steuern zahlen , da sollte die Kirche sich einmal kümmern .Es gibt auch Lehrer die an Kath. Schulen Pornobilder schauen da geschieht nichts ,Aber ein Priester der was Menschliches macht und nicht Kinder oder sonstige Sittenwiedrige Handlungen macht zu Verurteilen sollte selber in sich gehen, Ich hoffe das er mal Kardinal oder Papst wird.